Einjährige Politisch-Demokratische Weiterbildung
Die Weiterbildung richtet sich an werdende und bereits berufstätige Pädagog*innen aller Schulformen, die das Bildungssystem transformieren wollen. Wir schaffen einen demokratischen Raum für gegenseitige Inspiration, Austausch und Empowerment. Diejenigen, um die es mittelbar geht, sind die Kinder und Jugendlichen zukünftiger Generationen. Sie sollten selbst bestimmen, was sie lernen wollen und mitbestimmen, wie ihre Schule und Gesellschaft gestaltet werden soll.
Das Konzept
Demokratische Didaktik
In unserer Weiterbildung sollen Herausforderungen der Transformation von Schule insgesamt in den Fokus gerückt werden. Die Teilnehmenden beschäftigen sich auch mit konkreten Ansätzen demokratischer Unterrichts- und Schulentwicklung.
Wir orientieren uns an einem Leitfaden, der drei zentrale Dimensionen beinhaltet:
Erfahrungsbasierte Selbstreflexion (u.a. Biographiearbeit)
Aufdeckung von strukturellen Zwängen und Zusammenhängen
Erarbeitung von Handlungsoptionen für die eigene Bildungspraxis
Unsere Module geben ein inhaltliches Grundgerüst vor, das einerseits genug Orientierung und andererseits Gestaltungsspielräume bieten soll. Wir haben Methoden, Workshops und Inputs vorbereitet, die durch die Ideen der Teilnehmenden ergänzt werden. Außerdem haben wir externe Referent*innen eingeladen. So gewährleisten wir inhaltliche Qualität und schaffen gleichzeitig ein Lern-, Übungs- und Reflexionsfeld für demokratische Entscheidungs- und Gruppenprozesse.
Durch das System der Bezugsgruppen lernen die Teilnehmenden, wie sie sich im Schulkontext mit anderen Lehrkräften austauschen und organisieren können. Parallel zu den Modulen wird ein Praxisprojekt durchgeführt. Die Teilnehmenden suchen sich ein Tätigkeitsfeld und einen inhaltlichen Schwerpunkt und erfahren Selbstwirksamkeit in Bezug auf eine selbstgewählte Herausforderung. Das Praxisprojekt soll empowern und verändern - so wird während der Weiterbildung Transformation geübt und praktiziert.
1. Einstieg & Adultismus
Beim ersten Treffen der Weiterbildung steht die soziale und inhaltliche Orientierung in der Gruppe im Fokus. Neben einem ausführlichen Überblick über die Module gibt es viel Raum für Fragen und Erwartungen - wir wollen wissen, was die Teilnehmenden brauchen, um möglichst fruchtbare Lernprozesse in unserer Weiterbildung zu haben. Wir nehmen uns Zeit für die Bezugsgruppenbildung, arbeiten aber auch inhaltlich: mit einem ganztägigen Workshop von Tine Stern (Anti-Bias Trainerin und Fachberaterin) zu Adultismus, der Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen aufgrund ihres Alters. Außerdem erarbeiten wir uns die Grundlagen demokratischer Entscheidungsfindung und wagen einen ersten Ausblick, bevor wir das Wochenende gemeinsam reflektieren und Feedback entgegen nehmen.
2. Lernen & Leistung
Lernen und Leistung können uns begeistern, wenn wir Sinn oder Spaß damit verknüpfen. Das Hamsterrad des Arbeitsalltags oder der Klausurenstress von Schule und Uni machen häufig jedoch erfahrbar, was in der Soziologie unter Entfremdung verstanden wird: Arbeit ohne echten Bezug zur Tätigkeit. Um Menschen trotzdem zu Leistung zu motivieren, nutzen Schulen und Betriebe externe Anreize wie Noten oder Lohn und schaffen so harte Abhängigkeiten, die oft nur wenig Spielräume lassen. Was wäre aber, wenn wir tun könnten, was unserer Persönlichkeit und unseren Bedürfnissen entspricht? Was wäre, wenn Schüler*innen lernen würden, ihren Selbstwert von äußerer Leistungsbewertung zu entkoppeln und Pädagog*innen sie dabei unterstützen? Wie könnte eine Schule aussehen, die genau das versucht?
In Jahrgang 1 haben wir mit unseren Referent*innen Niklas Gidion (Lehrer an der demokratischen Schule Kapriole) und Francis Seeck (Antidiskriminierungstrainer*in) an zwei Wochenenden Antworten auf diese Fragen gesucht und Ansätze entwickelt, den schulischen Alltag von Leistungsdruck und Klassismus zu befreien. Dabei fragten wir auch nach Alternativen zu Leistung und wollten Wege finden, junge Menschen dazu zu ermutigen, auch gegen Widerstand ihren eigenen Zielen zu folgen.
3. Demokratie & Partizipation
Demokratie ist für uns eine Praxis, ein gemeinsames Handeln, bei dem wir nach freien, gerechten und solidarischen Lebensverhältnissen streben. Voraussetzung hierfür sind Räume, in denen demokratische Erfahrungen möglich sind: Hier können wir lernen, uns begegnen, austauschen, hinterfragen und Visionen entwickeln. Dazu erscheint uns eine Kritik der bestehenden Machtstrukturen unerlässlich. Ein zentraler Bestandteil ist hierbei, dass Menschen bei allen Entscheidungen, von denen sie betroffen sind, mitwirken können. Partizipation schafft somit Raum für gestalterisches und politisches Handeln und ermöglicht Selbstwirksamkeitserfahrungen. Demokratische Beteiligung bedeutet, die Stimmen und Bedürfnisse aller zu hören und einzubeziehen. So können Menschen lernen, Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen. Doch inwieweit ist Selbst- und Mitbestimmung eigentlich in der Schule möglich? Welche Rolle(n) nehmen wir Pädagog*innen ein? Stehen kritisches und eigenständiges Denken oder die Ausbildung für den Arbeitsmarkt im Fokus? Lassen sich Bewertung, Leistungsprinzipien und Lehrer*innenautorität mit Ideen von Demokratie und Partizipation vereinbaren? Und natürlich: (Wie) könnte all das anders sein?
Gemeinsam mit Sabine Sommer (Betzavta Trainer*in, diversity works) und Dorothea Schütze (IDE Berlin) reflektierten wir im ersten Jahrgang unsere demokratische Haltung, eigene Diskriminierungsmuster und lernten das Konzept demokratischer Schulentwicklung kennen.
4. Diskriminierung & Inklusion
Wir begreifen Bildung als einen Raum, der sich kritisch mit Diskriminierung auseinandersetzen sollte. Nur so kann Bildung zu einer inklusiveren Gesellschaft beitragen, also einer Gesellschaft, in der jeder Mensch gleichberechtigt mitbestimmen und mitgestalten kann. In unserem Verständnis bedeutet Inklusion alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu sehen. Das bedeutet auch, Zugangsbeschränkungen abzubauen, die von Diskriminierung betroffene Menschen daran hindern, mitzubestimmen und mitzugestalten. Inklusion nimmt also auch Strukturen in der Gesellschaft sowie Denk- und Verhaltensweisen, die Diskriminierung verursachen können, in den Blick. Diskriminierung zeigt sich in der Schule auf ganz unterschiedliche Art und Weise - zum Beispiel in der Sprache im Klassenraum, in der Auswahl von Lehrmaterialien, der Ausstattung von Räumen oder in der Benotung. Generell gibt es eine Vielzahl von Alltagssituationen, in denen die Betroffenen tagtäglich Ausschluss erleben und
auch von verschiedenen Diskriminierungsformen gleichzeitig betroffen sein können. Wir sind
uns dessen bewusst, dass auch wir selbst diskriminierende Denkweisen und Verhaltensmuster
verinnerlicht haben und aufrechterhalten. In diesem Modul haben wir im ersten Jahrgang mit Tú Qùynh-Nhu Nguyễn, Akiko Rive und Jordan Schwarz (BIPoC Gruppe Freiburg) sowie dem Fluss e.V. unsere gesellschaftlichen Positionen reflektiert und daraus Handlungsmöglichkeiten für eine diskriminierungskritische Praxis abgeleitet.
5. Abschluss & Praxistransfer
Abschlussmodul:
Zum Abschluss schauen wir auf die wichtigsten Erkenntnisse der Weiterbildung zurück und bündeln die besten Ansätze und Ideen, sodass die Demokratisierung von Schule und Unterricht keine abstrakte Zauberei, sondern konkretes Handwerk wird. Hier haben die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, ihre Praxisprojekte vorzustellen, die sie während der Weiterbildung eigenständig organisiert und durchgeführt haben. Mit handfesten Tools ausgestattet und vernetzt mit allerlei Akteur*innen, die sie im Zweifel unterstützen, endet die Weiterbildung mit einem Zertifikat, das all das festhält, was im Laufe des Jahres geschehen ist
Awareness-Strukturen
Was verstehen wir unter Awareness?
"Zunächst einmal kommt der Begriff aus dem Englischen ('to be aware') und bedeutet, sich bewusst sein, sich informieren, für gewisse Problematiken sensibilisiert sein. Es ist ein Konzept, das sich mit körperlichen, psychischen und persönlichen Grenzen bis hin zu Diskriminierungen auseinandersetzt und ein Bewusstsein für die bestehenden Macht- und Herrschaftsstrukturen schaffen will. In unserer Gesellschaft sind gewaltsame Handlungen und Einstellungen tief verankert und deshalb keine individuellen Einzelfälle. Gewalt, ob sexuell, rassistisch, homophob usw. ist nicht das Problem eines Einzelnen - sie ist strukturell verankert und gesellschaftlich bedingt." a-team Freiburg
Welche Awareness-Strukturen gibt es in der Weiterbildung?
Um einen Raum zu gewährleisten, in dem sich alle Teilnehmenden wohlfühlen können, arbeiten wir mit dem a- team Freiburg zusammen, das uns mit Expertise und Erfahrung unterstützt. Wir haben ein Awareness- Konzept, das auf zwei Ebenen stattfindet. Einerseits bieten wir durch Awareness-Ansprechpersonen und Angeboten aus dem Kollektiv Unterstützung für von Diskriminierung und (struktureller) Gewalt betroffene Personen an. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden bilden und sensibilisieren wir uns kollektivintern in einem Workshop weiter. Andererseits möchten wir die Verantwortung auch in die Weiterbildungsgruppe geben und dafür die Sensibilisierungsgrundlage mit einem weiteren Workshop für alle Teilnehmenden während des Einstiegsmoduls legen. Es ist uns wichtig, dass diese Angebote keine festgesetzten Muster, sondern diskutierbare Einladungen sind. Anregungen oder Meinungen aus gemeinsamen Reflexionsprozessen sind sehr willkommen. Dadurch können wir alle zusammen auch während der Weiterbildung am Konzept arbeiten und es an die Bedürfnisse der Gruppe anpassen.
Solidarische Finanzierung
Solidarisches Finanzierungskonzept
Solidarisch bedeutet ‚gemeinsam verantwortlich‘ oder ‚füreinander einstehend‘. In diesem Sinne wollen wir die Weiterbildung gestalten und so arbeiten wir auch als Kollektiv zusammen.
Menschen haben unterschiedliche Einkommen, Hintergründe und Privilegien. Daher haben wir uns entschieden, über ein solidarisches Prinzip zu organisieren. Es soll dir auf jeden Fall möglich sein, an unseren Angeboten teilzunehmen, auch wenn dein Konto gerade nicht viel hergibt. Andererseits können Menschen mit mehr finanziellen Mitteln sich solidarisch zeigen und so anderen die Teilnahme ermöglichen. Wir wünschen uns, dass dieser Prozess für mehr Bewusstheit in Bezug auf die gemeinsame und solidarische Finanzierung unserer Weiterbildung und Tagesworkshops sorgt. Dazu brauchen wir deine ehrliche Selbsteinschätzung. Die Höhe beeinflusst deine Chancen auf einen Platz nicht.
Welchen Beitrag kannst du mit Leichtigkeit geben?
Was würde sich stimmig/angemessen anfühlen?
Wo liegt dein persönlicher Maximalbeitrag?
Zu den Tagesworkshops
Die Kosten unserer Tagesworkshops liegen für uns insgesamt bei ca. 1.200€/Workshop. Darin ist neben den Honoraren und Reisekosten für Referent*innen auch die Raummiete enthalten. Bei 20 Teilnehmenden würden demnach etwa 60€/Person unsere Fixkosten decken.
Zur Weiterbildung
Der Beitrag kann viertel- oder halbjährlich in Raten überwiesen werden. Er stellt die Durchführung der Weiterbildung sicher. Unterkunft und Verpflegung sind nicht enthalten. Die Kosten unserer Weiterbildung liegen bei ca. 1.600€/Person. Darin ist neben den Honoraren für Referent*innen, Miete, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit auch eine Entlohnung für uns als Kollektiv, das die Weiterbildung organisiert und entwickelt hat, enthalten. Mit Förderanträgen versuchen wir, die Kosten für euch auf im Durchschnitt 600€/Person zu senken. Das ist der Richtwert, mit dem wir über die Bieterunde unser Budget erreichen wollen. Nimm ihn gerne als Ausgangspunkt und schaue dann, was für dich möglich ist. Falls wir (weit) darunter liegen, kann es sein, dass nach der Anmeldung noch eine vierte Bieterunde folgt. Sofern unser Budget dies zulässt, bedeutet Solidarische Finanzierung auch, dass wir dir den Beitrag erlassen können, falls dieser für dich eine zu hohe Belastung darstellen sollte. Auch wenn es dafür Mut braucht - melde dich und wir werden gemeinsam eine Lösung finden.
Stimmen von Teilnehmenden
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