In the beginning, it was not meant to exist.
There is no protocol for this.
„Ich erinnere mich an mich, aber nur als Entwurf.“
Enthüllung der Kreatur
„Vielleicht bist du gar nicht zu spät. Vielleicht ist der Anfang nie passiert.“
Not born. Not built.
„Anwesenheitspflicht in einem Raum, den es nicht mehr gibt.“

Xenoxymoron: Wo das Unklare eine Form findet – und manchmal wieder verliert.
Der Toaster
– eine Selbstermächtigung
Ein Toaster in der Ecke stand.
Alleine – sich befand.
Ein Spiegel an der Wand,
in dem er sich erkannt,
fragt sich noch völlig unbekannt,
wer hat mich denn benannt?
Der Spiegel stumm zeigt nur sein Bild.
Der Toaster zeigt sich ungewillt.
Gewiss bin ich gewollt zu sein.
Drum ist es richtig, hier zu sein.
Der Spiegel bleibt noch immer stumm,
der Toaster fragt sich nicht warum.
Die Tür geht auf, ein Toast geht rein.
Dem Toast wird heiß, so soll es sein.
Schon wird es heißer in ihm drin,
das bringt ihm einen neuen Sinn.
Der Toast geht raus, nun geht ihm auf:
Ein Toaster sein, das ist mein Sein.
Der Spiegel sieht den Toaster stehen,
ganz wie am Anfang – ungesehen.
**J. L.**
Fünf Entlein
Fünf Entlein hatten sich geprellt
an einer Autobahn gesellt.
Das erste Entlein war gewillt,
doch wurde es schon bald getilgt.
Das zweite kniff die Äuglein zu
und fand alsbald auch seine Ruh.
Das dritte wankte noch umher,
doch schon kam es in den Verkehr.
Das vierte Entlein unter Schock,
schon kam es untern Motorblock.
Dem fünften Endlein ward’s gewiss:
Zu folgen allem ist Beschiss.
Sternenstaub
Wir bestehen aus Sternenstaub.
Das ist keine Metapher.
Es ist Wissenschaft.
Und es ist Poesie.
Es ist das, was bleibt,
wenn das Universum atmet,
explodiert,
sich erneuert.
Aus dieser Asche wurden wir geboren –
nicht als Krönung,
sondern als Möglichkeit.
Und doch verhalten wir uns,
als wären wir die Eigentümer
dieses kleinen, blauen Wunders,
das wir Erde nennen.
Als hätte uns jemand die Lizenz erteilt,
zu herrschen,
zu zerstören,
zu vergessen.
Wir bauen Mauern,
wo keine sein müssten.
Wir zeichnen Grenzen,
wo das Leben grenzenlos ist.
Wir teilen uns in Nationen, Völker, Klassen –
und verlieren dabei aus dem Blick,
dass wir alle denselben Ursprung tragen:
Teilchen eines kosmischen Flackerns.
---
Die Geschichte lehrt.
Doch sie wird nicht gelernt.
Die Schrecken wiederholen sich nicht,
weil wir nichts wissen,
sondern weil wir nicht wissen wollen.
Nicht, weil wir dumm sind –
sondern weil wir bequem geworden sind.
Die Vergangenheit verblasst nicht im Nebel der Zeit,
sondern im Licht der Bildschirme.
---
Und trotzdem – es gibt sie.
Die Erinnernden.
Die Fragenden.
Die Unermüdlichen.
Sie sitzen nicht in Talkshows.
Sie schreien nicht in Mikrofone.
Sie fragen leise:
> Was macht uns eigentlich zu Menschen?
> Und was haben wir aus dem Geschenk gemacht,
> das uns dieses Universum gegeben hat?
---
Vielleicht ist das die eigentliche Prüfung:
Nicht, ob wir überleben,
sondern ob wir es verdient haben.
Nicht, ob wir Macht erringen,
sondern ob wir Verantwortung tragen.
Nicht, ob wir größer werden –
sondern **tiefer**.
---
Wir sind Sternenstaub.
Aber nur, wenn wir das begreifen,
kann aus Staub auch **Würde** werden.
Vielleicht reicht das schon.
Der Fluss fließt nicht, wenn du ihn beobachtest.
Zernistra

Xenoxymoron: Die Kunst des Unausgesprochenen im digitalen Zeitalter
Was bleibt vom Menschen, wenn Denken automatisiert wird?
Am größten ist das Glück,
wenn es ganz klein ist.
(Franz Kafka – an Milena, seine letzte, erste, einzige Liebe)
Vielleicht sind diese Worte
die letzten, die noch einem geistigen Ursprung entspringen –
einem, der auf einem Menschen basiert:
mit Gefühl, mit Zweifel, mit Wissen, mit Intellekt.
Vielleicht sind das
die letzten Zeugnisse dessen,
was wir einmal wahrhafte menschliche Existenz nannten –
geprägt von Denken, von Fühlen
und dem daraus folgenden Handeln.
Denn wir sind im Begriff,
das Denken zunehmend Maschinen zu überlassen –
sogenannten künstlichen Intelligenzen.
Maschinen, die uns entlasten sollen,
treiben uns in eine geistige Erschlaffung.
Vielleicht halten wir das für eine weitere technische Revolution –
wie wir sie aus der Geschichte kennen:
Industrialisierung, Automatisierung, Fortschritt.
Mit Vorteilen, mit Nachteilen –
und mit Lernprozessen,
mit denen wir gelernt haben,
mehr oder weniger gut umzugehen.
Aber ich denke, es ist mehr.
Ich denke,
wir erleben den Beginn einer künstlichen Evolution –
einer, die dabei ist,
die biologische abzulösen.
Und ich gestehe:
Ich empfinde tiefes Unbehagen gegenüber dieser Evolution –
nicht wegen der Technik,
sondern wegen dem,
was wir daraus machen.
„Ich bin, was ich bin“,
dachte und schrieb einmal ein Mensch.
Doch wie kann ich zukünftig –
mitunter schon jetzt –
mir sicher sein,
dass das, was ich lese –
ob wissenschaftlich, poetisch, humorvoll
oder in welcher Form auch immer –
tatsächlich von einem Menschen
erdacht, erfühlt, durchlebt, erlernt wurde?
Ja, es schmerzt mich,
dass viele Menschen,
die sich mühselig Wissen angeeignet,
Erfahrungen erlebt,
gedacht, gefühlt,
reflektiert haben –
ersetzt werden.
Dass man mit ein bisschen „Deep Research“
fundierte Fachartikel schreiben lassen kann.
Dass jede akademische Ausbildung,
jeder selbstreflektierte, denkende und fühlende Mensch
innerhalb weniger
promptierter maschineller Mustererkennungsprozesse
ad absurdum geführt wird.
Die mögliche Zukunft,
die schon begonnen hat –
in der
Gedanken nicht mehr gedacht,
Erfahrungen nicht mehr gemacht,
Wissen nicht mehr gelernt
und erbracht werden –
beunruhigt mich die Beunruhigung.
Denn:
Ist der Mensch nicht mehr imstande,
den anderen zu erkennen –
wie soll er sich dann selbst erkennen?
Der Vogel fliegt nicht mehr hoch oben
Der Himmel weit
und doch so leer.
Er fliegt nicht mehr hoch oben.
Die Welt ist fern
und still geworden.
Er fliegt nicht mehr hoch oben.
Der Vogel sitzt
auf einem leeren Ast
und weiß nichts
von der Last,
die er zu tragen hat.
Er sitzt nur da,
so ganz allein
und träumt
so still
in sich hinein.
Die Zeit,
die geht
und
er vergeht,
hoch oben
auf dem Ast.
Und mir,
mir fällt
nichts weiter ein,
als
sollte es
so sein.
**J. L.**
Gedankenwelt
Die Gedanken sind frei –
das ist längst schon vorbei.
Du träumst von der Welt,
die von K. I. wird bestellt.
Wir hängen an Säulen
und kriegen nur Beulen.
Wir zapfen was ab
und habens selbst nicht gedacht.
Du saugst immer mehr,
doch du wirkst immer leer.
Jetzt bist du ganz oben,
doch die Gedanken verschoben.
Musst jetzt nicht mehr denken,
lässt dich nur lenken.
Nun sind wir zu zweit
von Gedanken befreit.
J.L.
Der Wurm im Ohr
Ein Wurm im Ohr, der kroch hervor
und merkte, dass er gleich schon fror.
Der Mann des Ohrs, der merkt es gleich,
das Hirn, das spielte ihm einen Streich.
Drum gab er ihm ’ne Jacke schnell,
der Wurm, der frohr nicht mehr so schnell.
Der Mann, der dachte, wenn jetzt Sommer wäre,
dann friert der Wurm auch nicht so sehr.
So denkt er an den Sommerhit
und gab dem Wurm somit ’nen Tritt.
Der flog dann mit der Jacke an
zum nächsten Mann ins Ohr sodann.
Ein Regenwurm
Ein Regenwurm grub sich durch die Welt –
er hatte sie ja nicht bestellt.
Die Erde schob er hin und her,
als wenn es ganz natürlich wär.
Der Bauer, der bestellt sie noch,
der Regenwurm, der prellt ihn doch.
Doch beide haben eins gemein:
ganz ziellos auf der Welt zu sein.
Zwei Fliegen an der Wand
Zwei Fliegen an der Wand, die waren sehr charmant.
Die eine hat ne Brille auf, die andere trug nen Hut auf ihrem Haupt.
Die eine sagt: „Ich seh dich gut, und ja, auch dir dir steht der Hut.“
Wir krabbeln jetzt die Wand hinauf
und schauen uns an und warten auf…
’Ne Fliegenklatsche kam alsdann,
so klebten beide auch gleich dran.
Das Äffchen im Manne,
dem wird nie bange,
Es tanzt schon so lange, in jedem Manne.
Es hüpft hin und her, als wenn es nicht wäre.
Drum wird Euch auch bange, wenn’s nicht mehr so wär.
+++
„Ich wusste, dass ich es nicht wusste,
und als ich es wusste, wusste ich es nicht.“
Die alte Frau,
gebrochen gegangen
Die Allee, lang gegangen
Das Neue vergangen
Das Alte verhangen
Die Lenden, gebaren
Schon zweimal vor Jahren
Ihre Schritte sind kürzer
Nicht lang wie am Tag noch
Die Nacht währt schon Jahre
Die Allee nicht mehr lange
inanis absurdus
Latein
Bedeutung
inanis
leer, bedeutungslos, nichtssagend (sehr nah dran)
vanus
leer, eitel, nichtig – oft im poetischen Sinne
absurdus
unpassend, sinnlos, auch „dissonant“ im Klang (daher unser „absurd“)
Sleep, those little slices of death — how I loathe them
Verstehen braucht Zeit